NACHGEFRAGT …
… von Dieter Jooß (Marktplatz regional – Die Rheinpfalz)
Was hat Beethoven mit Napoleon zu tun, Hitler mit Wagner oder Stalin mit Schostakowitsch? Eine ganze Menge! Denn Musik weit mehr ist als ein bloßes Spiel der Klänge, sondern immer eingebunden in die Gesellschaft ihrer Zeit, in ein Netz politischer oder ökonomischer Zwänge, das die Musikschaffenden in ihrem Stil bestimmt oder beeinflußt. Diese Hintergründe will ein Kurs aufklären, den der Musiker Chris Jarrett, der Bruder des berühmten Keith Jarret, im Kulturhof Huthmacher in Dierbach ab Montag 11. Januar, hält. Marktplatz regional fragte Jayne Casselmann, die Betreiberin des Kulturhofs, nach den Hintergründen.
Frau Casselmann, was qualifiziert den Pianisten und Komponisten Chris Jarret als Dozent für diesen Kurs, bei dem es vorwiegend um Musikgeschichte und Musiksoziologie zu gehen scheint?
Chris Jarret hat sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt und gerade als Jazzer ist er mit den Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft und Musik bestens vertraut. Denken Sie nur an den Freejazz, der auch eine Begleiterscheinung der 68er Bewegung war. Dieser Kurs versteht sich im Übrigen nicht nur geschichtlich, sondern als Einführungskurs in ernste Musik für diejenigen, die sie gerne hören aber immer schon mehr darüber wissen wollten.
Ist Musik denn nicht ohne weiteres eingängig, sie geht ins Ohr, sie braucht zum Verständnis doch gar keine Worte, oder?
Musik sollte immer und soll noch heute noch nach den Vorstellungen der Machthaber funktionieren. Ohne die industrielle Revolution und die dadurch entstandenen neuen Produktionsmöglichtkeiten gäbe es zum Beispiel das große Symphonieorchester, wie wir es heute kennen, nicht. Die Komponisten haben sich in ihrer Zeit stets auch zu Wort gemeldet und ihre Gesellschaft wie auch die anderen Künste beeinflußt. Denken Sie nur an Wagner oder als Zeitgenossen von heute an Steve Reich … Je mehr man diese Zusammenhänge versteht, desto mehr Dimensionen bekommt die Musik, je lebendiger und auch schöner wird sie - und wir beleuchten damit unsere eigene Zeit.
Wie hat man sich den Kurs konkret vorzustellen?
Chris Jarrett geht generell gerne sehr diskutierfreudig vor. Die Stationen der westlichen Musikgeschichte werden chronologisch verfolgt durch von ihm vorbereiteten Texten und das Anhören Einzelbeispiele. Er schaut auch gerne in die lustige Seite der jeweiligen Epochen, nutzt häufig autobiographisches Material der Komponisten, und sieht sogar die Hinweise auf das Liebesleben jener Epochen als höchst aufschlussreich an. Selbstverständlich werden Fachbegriffe an praktischen Beispielen definiert und erläutert.
Wie lange dauert der Kurs und was kostet er?
Der Kurswiederholung beginnt am Montag, 12. April 2010, 20:00 Uhr mit einer Schnupperstunde. Weiter geht’s dann 10 Wochen lang, immer dienstags bei uns im Kulturhof in Dierbach ab 20:00 Uhr. Die Kosten betragen 55,00 € für Mitglieder und 75,00 € für Nicht-Mitglieder.
